Rechtsanwalt · StrafverteidigerMag. Wali Ihsan
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Sicherstellung und Beschlagnahme im Strafverfahren – Wann darf die Polizei mein Handy, Geld oder andere Gegenstände mitnehmen?

Mag. Wali Ihsan 4. September 2026 13 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis
  1. Die Grundbegriffe
  2. Der Unterschied
  3. Wann darf die Polizei sicherstellen?
  4. Darf die Polizei mein Handy mitnehmen?
  5. Bargeld, Auto und Zufallsfunde
  6. Wie lange darf sie den Gegenstand behalten?
  7. Wann darf das Gericht beschlagnahmen?
  8. Rückgabe im laufenden Verfahren
  9. Was bedeutet Verhältnismäßigkeit?
  10. Zu Unrecht beschlagnahmt — was tun?
  11. Laptop, Firmencomputer und Daten
  12. Dokumentation und Herausgabe
  13. Was Sie sofort tun sollten
  14. Nach einer Hausdurchsuchung
  15. Akteneinsicht und Verteidigung
  16. Häufige Fragen
  17. Fazit

Die Polizei nimmt bei einer Hausdurchsuchung Ihr Handy, Bargeld, einen Computer oder andere Gegenstände mit. Darf sie das einfach? Bekommen Sie die Sachen wieder? Was ist der Unterschied zwischen Sicherstellung und Beschlagnahme? Und was können Sie als Betroffener dagegen tun?

Diese Fragen stellen sich in vielen Strafverfahren.

Eine Sicherstellung kann für Betroffene erhebliche Folgen haben. Das gilt insbesondere dann, wenn ein Mobiltelefon, Computer, wichtige Dokumente, Bargeld oder andere Gegenstände mitgenommen werden.

Das österreichische Strafprozessrecht unterscheidet dabei zwischen Sicherstellung und Beschlagnahme. Die grundlegenden Regelungen finden sich insbesondere in den §§ 109 bis 116 StPO.

Die Grundbegriffe: Sicherstellung und Beschlagnahme

Was bedeutet Sicherstellung?

Eine Sicherstellung bedeutet vereinfacht gesagt, dass die zuständige Behörde vorläufig die Verfügungsmacht über einen Gegenstand, Vermögenswert oder Daten erhält.

§ 109 StPO definiert die Sicherstellung als vorläufige Begründung der Verfügungsmacht über Gegenstände, Vermögenswerte und Daten beziehungsweise als vorläufiges Verbot bestimmter Verfügungen über diese Sachen.

Die Sicherstellung kann insbesondere dazu dienen,

  • Beweismittel zu sichern,
  • privatrechtliche Ansprüche zu sichern,
  • Vermögenswerte für bestimmte vermögensrechtliche Entscheidungen zu sichern.

Das bedeutet: Die Sicherstellung ist zunächst eine vorläufige Maßnahme.

Was bedeutet Beschlagnahme?

Die Beschlagnahme ist davon zu unterscheiden.

Nach § 109 StPO handelt es sich bei der Beschlagnahme grundsätzlich um eine gerichtliche Entscheidung über die Begründung oder Fortsetzung einer Sicherstellung.

Das ist für Betroffene wichtig. Denn die Frage lautet nicht nur: „Darf die Polizei den Gegenstand zunächst mitnehmen?“ Sondern auch: „Darf der Gegenstand weiterhin beschlagnahmt bleiben?“

Der Unterschied zwischen Sicherstellung und Beschlagnahme

Vereinfacht:

Sicherstellung

Vorläufige behördliche Maßnahme.

Beschlagnahme

Gerichtliche Entscheidung über die Begründung oder Fortsetzung.

Die österreichische Strafprozessordnung sieht für diese Maßnahmen unterschiedliche Voraussetzungen und Rechtsschutzmöglichkeiten vor.

Wann darf die Polizei einen Gegenstand sicherstellen?

Eine Sicherstellung kann insbesondere aus Beweisgründen erfolgen. Beispielsweise kann ein Gegenstand sichergestellt werden, wenn er für die Aufklärung einer Straftat relevant sein könnte.

Das kann etwa sein:

  • ein Mobiltelefon,
  • ein Computer,
  • eine Festplatte,
  • ein Kleidungsstück,
  • ein Dokument,
  • ein Datenträger,
  • Bargeld,
  • ein Fahrzeug,
  • ein Werkzeug,
  • oder ein anderer Gegenstand.

Die Sicherstellung muss sich jedoch auf die gesetzlichen Voraussetzungen stützen.

Die Kriminalpolizei führt Sicherstellungen grundsätzlich aufgrund einer entsprechenden Anordnung durch; in bestimmten gesetzlich vorgesehenen Fällen kann sie Gegenstände auch selbständig sicherstellen.

Darf die Polizei mein Handy mitnehmen?

Unter bestimmten Voraussetzungen ja. Ein Mobiltelefon kann ein relevantes Beweismittel sein.

Beispielsweise kann es Informationen enthalten über:

  • Nachrichten,
  • Fotos,
  • Videos,
  • Kontakte,
  • Standortdaten,
  • Kommunikationsverläufe,
  • Dokumente
  • oder andere für das Strafverfahren relevante Daten.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Polizei jedes beliebige Handy uneingeschränkt durchsuchen darf. Gerade bei elektronischen Geräten gelten besondere gesetzliche Regeln.

Handy sichergestellt – darf die Polizei alle Daten anschauen?

Hier ist besondere Vorsicht geboten.

Die StPO unterscheidet ausdrücklich zwischen der Sicherstellung beziehungsweise Beschlagnahme eines Datenträgers und der Beschlagnahme von Datenträgern und Daten. § 109 StPO enthält dafür eigene Definitionen.

Bei digitalen Beweismitteln können deshalb mehrere Fragen auseinanderzuhalten sein:

  • Darf das Handy sichergestellt werden?
  • Darf es beschlagnahmt werden?
  • Welche Daten dürfen ausgewertet werden?
  • Wie darf die Auswertung erfolgen?
  • Sind auch Daten Dritter betroffen?
  • Gibt es besonders geschützte Daten?

Gerade bei Mobiltelefonen und Computern sollte deshalb eine anwaltliche Prüfung erfolgen.

Was passiert, wenn die Polizei mein Handy bei einer Hausdurchsuchung findet?

Wird bei einer Hausdurchsuchung ein Gegenstand gefunden, der für das Strafverfahren von Bedeutung sein kann, kann dieser sichergestellt werden. Der Gegenstand wird entsprechend dokumentiert und in das Sicherstellungsverzeichnis aufgenommen.

Für den Betroffenen ist deshalb wichtig: Prüfen Sie genau, was mitgenommen wurde. Wenn beispielsweise drei Mobiltelefone vorhanden sind, sollte nachvollziehbar sein, welches konkrete Gerät sichergestellt wurde.

Bargeld, Fahrzeuge und Zufallsfunde

Darf die Polizei Bargeld sicherstellen?

Auch Bargeld kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen sichergestellt werden. Dabei kann es beispielsweise um die Sicherung von Beweismitteln oder um die Sicherung bestimmter vermögensrechtlicher Entscheidungen gehen.

Bei größeren Geldbeträgen stellt sich häufig die Frage: Warum wird das Geld als relevant für das Strafverfahren angesehen? Diese Frage sollte anhand der konkreten Ermittlungsakte geprüft werden.

Was passiert mit sichergestelltem Geld?

Das hängt vom Grund der Sicherstellung ab. Wenn das Geld beispielsweise als Beweismittel benötigt wird, gelten andere Überlegungen als bei einer Sicherstellung zur Vorbereitung einer vermögensrechtlichen Anordnung. Die konkrete Rechtsgrundlage und der Zweck der Maßnahme müssen daher geprüft werden.

Darf die Polizei mein Auto sicherstellen?

Auch ein Fahrzeug kann unter bestimmten Voraussetzungen Gegenstand einer Sicherstellung sein. Entscheidend ist, weshalb das Fahrzeug für das Strafverfahren relevant sein soll.

Beispielsweise kann es um

  • Spuren,
  • technische Untersuchungen,
  • Unfallspuren,
  • Tatmittel
  • oder andere Beweismittel

gehen.

Ob die Sicherstellung im konkreten Fall zulässig und verhältnismäßig ist, muss anhand der Umstände geprüft werden.

Was bedeutet „Zufallsfund“?

Bei einer Haus- oder Personendurchsuchung können Gegenstände gefunden werden, die nicht unmittelbar Gegenstand der ursprünglichen Suche waren, aber auf eine andere Straftat hindeuten. Solche sogenannten Zufallsfunde können unter den gesetzlichen Voraussetzungen ebenfalls sichergestellt werden.

Das österreichische Bundesportal weist darauf hin, dass über solche weiteren Gegenstände ein zusätzliches Protokoll aufgenommen und dieses der Staatsanwaltschaft übermittelt wird. Beantragt die Staatsanwaltschaft keine weiteren Ermittlungen, müssen die Gegenstände zurückgegeben werden.

Wie lange darf die Polizei einen Gegenstand behalten?

Eine Sicherstellung ist grundsätzlich keine unbegrenzte Maßnahme.

Die Kriminalpolizei muss der Staatsanwaltschaft grundsätzlich binnen 14 Tagen über eine Sicherstellung berichten oder diese aufheben. Im Fall eines entsprechenden Berichts muss die Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme beantragen oder die Aufhebung der Sicherstellung anordnen; für bestimmte Gegenstände bestehen gesetzliche Sonderregelungen.

Sicherstellung Gegenstand wird mitgenommen Binnen 14 Tagen Bericht oder Aufhebung Staatsanwaltschaft entscheidet nach dem Bericht Beschlagnahme wird beim Gericht beantragt Aufhebung der Sicherstellung wird angeordnet

Das bedeutet: Wenn die Polizei einen Gegenstand mitnimmt, ist damit nicht automatisch entschieden, dass sie ihn für immer behalten darf.

Wann darf das Gericht eine Beschlagnahme anordnen?

§ 115 StPO nennt die Voraussetzungen für eine Beschlagnahme.

Eine Beschlagnahme ist insbesondere zulässig, wenn die sichergestellten Gegenstände oder Vermögenswerte voraussichtlich

  • im weiteren Verfahren als Beweismittel erforderlich sein werden,
  • privatrechtlichen Ansprüchen unterliegen,
  • oder zur Sicherung bestimmter vermögensrechtlicher Entscheidungen benötigt werden.

Über die Beschlagnahme entscheidet das Gericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft oder einer von der Sicherstellung betroffenen Person unverzüglich.

Muss ein Gegenstand für immer beschlagnahmt bleiben?

Nein. Wenn die Voraussetzungen der Beschlagnahme nicht mehr bestehen, muss die Beschlagnahme aufgehoben werden. § 115 Abs. 6 StPO sieht ausdrücklich vor, dass die Beschlagnahme aufzuheben ist, wenn ihre Voraussetzungen nicht oder nicht mehr bestehen.

Das kann beispielsweise relevant werden, wenn

  • die Untersuchung abgeschlossen ist,
  • der Gegenstand nicht mehr als Beweismittel benötigt wird,
  • der Beweiswert durch eine Kopie ausreichend gesichert wurde,
  • oder der ursprüngliche Grund für die Maßnahme weggefallen ist.

Rückgabe im laufenden Verfahren

Kann mein Handy zurückgegeben werden, obwohl das Verfahren noch läuft?

Ja, das kann grundsätzlich möglich sein. Entscheidend ist, ob das konkrete Gerät weiterhin benötigt wird.

Ein aktuelles Urteil des Oberlandesgerichts Wien vom Juli 2026 zeigt die praktische Bedeutung dieser Frage: In dem Verfahren war ein Mobiltelefon beschlagnahmt worden, weil sich darauf ein relevantes Foto befand. Das Gericht stellte jedoch fest, dass bereits eine Kopie dieses Fotos im Akt vorhanden war und keine weiteren relevanten Beweismittel auf dem Telefon festgestellt worden waren. Die Beschlagnahme wurde deshalb aufgehoben beziehungsweise die Ausfolgung des Mobiltelefons ermöglicht.

Das ist ein wichtiger Punkt für die Verteidigung: Nicht jedes Gerät muss bis zum Ende des Strafverfahrens beim Staat bleiben, wenn der relevante Beweis bereits auf andere Weise gesichert werden kann.

Kann ich die Rückgabe meines Handys verlangen?

Ja, wenn die Voraussetzungen für die weitere Sicherstellung beziehungsweise Beschlagnahme nicht mehr bestehen, kommt eine Rückgabe beziehungsweise Aufhebung der Maßnahme in Betracht. § 115 Abs. 6 StPO verpflichtet zur Aufhebung der Beschlagnahme, sobald die gesetzlichen Voraussetzungen nicht mehr bestehen.

Die Frage lautet daher nicht nur: „Wie bekomme ich mein Handy zurück?“ Sondern: „Warum wird mein Handy noch benötigt?“

Was bedeutet Verhältnismäßigkeit?

Sicherstellung und Beschlagnahme greifen in Rechte des Betroffenen ein. Deshalb müssen die gesetzlichen Voraussetzungen eingehalten werden.

Das OLG Wien hat in der genannten Entscheidung aus Juli 2026 ausdrücklich hervorgehoben, dass eine Beschlagnahme dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit unterliegt. Sie muss insbesondere erforderlich, geeignet und im engeren Sinn verhältnismäßig sein.

Das kann gerade bei elektronischen Geräten von Bedeutung sein. Wenn beispielsweise nur ein einzelnes Foto als Beweismittel benötigt wird, kann sich die Frage stellen, ob dafür tatsächlich das gesamte Mobiltelefon weiterhin beschlagnahmt bleiben muss.

Was kann ich tun, wenn mein Handy zu Unrecht beschlagnahmt wurde?

Sie sollten die Sache nicht einfach hinnehmen.

Als von der Sicherstellung betroffene Person kann ein Antrag auf gerichtliche Entscheidung über die Beschlagnahme gestellt werden. § 115 Abs. 2 StPO sieht ausdrücklich vor, dass das Gericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft oder einer von der Sicherstellung betroffenen Person über die Beschlagnahme entscheidet.

Ein Strafverteidiger kann daher prüfen:

  • auf welcher Grundlage die Sicherstellung erfolgte,
  • welchem Zweck sie dient,
  • ob die Voraussetzungen noch bestehen,
  • ob die Maßnahme verhältnismäßig ist,
  • ob eine Kopie der relevanten Daten ausreicht,
  • und ob eine Ausfolgung beantragt werden sollte.

Laptop, Firmencomputer und digitale Daten

Was sollte ich tun, wenn die Polizei meinen Laptop mitnimmt?

Zunächst sollten Sie sich genau dokumentieren lassen, welches Gerät mitgenommen wurde.

Notieren beziehungsweise sichern Sie:

  • Marke,
  • Modell,
  • Seriennummer, soweit bekannt,
  • Zustand des Geräts,
  • Zubehör,
  • und die entsprechende Dokumentation der Polizei.

Danach sollte geprüft werden, welche rechtliche Maßnahme angeordnet wurde und welche Daten für das Verfahren relevant sein sollen. Gerade bei beruflich genutzten Computern kann die Mitnahme erhebliche Folgen haben.

Was ist bei einem Firmencomputer?

Bei Unternehmen kann die Sicherstellung eines Computers oder Servers erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben.

Dabei können sich zusätzliche Fragen stellen:

  • Enthält das Gerät Kundendaten?
  • Enthält es Geschäftsgeheimnisse?
  • Enthält es Daten unbeteiligter Personen?
  • Sind mehrere Mitarbeiter betroffen?
  • Werden geschäftskritische Daten benötigt?
  • Gibt es Möglichkeiten, nur relevante Daten zu sichern?

Das kann für die Beurteilung der Verhältnismäßigkeit besonders wichtig sein.

Was passiert mit beruflichen oder privaten Daten?

Bei Datenträgern und Daten bestehen besondere gesetzliche Schutzmechanismen.

Das Bundesministerium für Justiz weist ausdrücklich darauf hin, dass Sicherstellung und Beschlagnahme von Datenträgern und Daten sowie die Beschlagnahme und das Öffnen von Briefen und Papieren besonderen Regelungen unterliegen, insbesondere zum Schutz der Privatsphäre und von Geschäftsgeheimnissen.

Deshalb sollte bei umfangreichen digitalen Sicherstellungen besonders genau geprüft werden, welche Daten tatsächlich vom Ermittlungszweck erfasst sind.

Darf die Polizei mein gesamtes Handy durchsuchen, wenn nur eine bestimmte Nachricht relevant ist?

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden. Bei digitalen Beweismitteln ist zwischen Gerät, Daten und deren Auswertung zu unterscheiden.

Es kommt insbesondere darauf an,

  • worauf sich der Tatverdacht bezieht,
  • welche Daten gesucht werden,
  • welche gesetzlichen Maßnahmen angeordnet wurden,
  • und welche gesetzlichen Voraussetzungen für die Auswertung bestehen.

Gerade bei Smartphones kann die rechtliche Prüfung deshalb komplex sein.

Dokumentation und Herausgabe

Was passiert, wenn die Polizei einen Gegenstand verliert?

Die Sicherstellung wird dokumentiert. Deshalb ist es wichtig, dass das Sicherstellungsverzeichnis sorgfältig geprüft wird.

Wenn Gegenstände fehlen oder falsch beschrieben wurden, sollte dies möglichst früh gegenüber dem zuständigen Verteidiger beziehungsweise der zuständigen Behörde angesprochen werden.

Muss ich die Herausgabe eines Gegenstandes verweigern können?

Wenn die gesetzlichen Voraussetzungen einer Sicherstellung vorliegen, kann die Kriminalpolizei die Maßnahme unter bestimmten Voraussetzungen auch mit verhältnismäßigem und angemessenem Zwang durchsetzen. Das österreichische Bundesportal weist außerdem auf die Möglichkeit einer gerichtlichen Beugestrafe zur Durchsetzung einer Herausgabe hin.

Daher sollte man nicht versuchen, eine rechtmäßige Maßnahme körperlich zu verhindern. Wenn Sie die Sicherstellung für unzulässig halten, sollte die Frage rechtlich geklärt werden.

Was sollte ich bei einer Sicherstellung sofort tun?

1. Ruhig bleiben

Keine körperliche Gegenwehr.

2. Dokumentation verlangen

Lassen Sie möglichst genau festhalten, was sichergestellt wurde.

3. Nichts löschen

Löschen oder verändern Sie keine Daten.

4. Keine Gegenstände verstecken

Versuchen Sie nicht, Beweismittel zu entfernen.

5. Rechtsanwalt kontaktieren

Lassen Sie die Maßnahme anwaltlich prüfen.

6. Akteneinsicht prüfen

Die Verteidigung sollte feststellen, warum der Gegenstand überhaupt benötigt wird.

7. Rückgabe prüfen

Wenn der Gegenstand nicht mehr benötigt wird, kann eine Aufhebung der Maßnahme beziehungsweise Ausfolgung in Betracht kommen.

Sicherstellung nach einer Hausdurchsuchung

Besonders häufig kommt eine Sicherstellung unmittelbar im Zusammenhang mit einer Hausdurchsuchung vor.

Die Polizei durchsucht beispielsweise eine Wohnung und nimmt anschließend

  • mehrere Mobiltelefone,
  • einen Laptop,
  • USB-Sticks,
  • Dokumente,
  • Bargeld
  • oder andere Gegenstände

mit.

Dann sollte die Verteidigung nicht nur die Hausdurchsuchung selbst prüfen. Es sollte auch geprüft werden:

  • War die Sicherstellung jedes einzelnen Gegenstandes zulässig?
  • Welcher Gegenstand soll welchen Beweis erbringen?
  • Ist die weitere Aufbewahrung erforderlich?
  • Kann der Beweis durch eine Kopie gesichert werden?

Akteneinsicht und Verteidigung

Sicherstellung und Akteneinsicht

Hier besteht eine direkte Verbindung zu unserem Beitrag über die Akteneinsicht im Strafverfahren.

Nach einer Sicherstellung sollte die Verteidigung insbesondere prüfen:

  • die ursprüngliche Anordnung,
  • den Tatverdacht,
  • die Begründung der Maßnahme,
  • das Sicherstellungsverzeichnis,
  • die weitere Behandlung der Gegenstände,
  • allfällige gerichtliche Beschlüsse,
  • und die Ergebnisse der Auswertung.

Erst dadurch lässt sich beurteilen, ob eine Rückgabe oder ein Rechtsmittel sinnvoll ist.

Sicherstellung und Strafverteidiger

Ein Strafverteidiger kann nach einer Sicherstellung insbesondere prüfen, warum etwas mitgenommen wurde, wie lange es behalten werden darf, ob die Maßnahme verhältnismäßig ist, und ob eine Rückgabe beantragt werden kann.

Das ist gerade bei Mobiltelefonen und Computern wichtig. Denn für viele Menschen ist ein Handy nicht bloß ein Gegenstand. Es enthält private Kommunikation, Fotos, Kontakte, berufliche Unterlagen und zahlreiche persönliche Informationen. Eine länger dauernde Beschlagnahme kann deshalb erhebliche Auswirkungen haben.

Häufige Fragen zu Sicherstellung und Beschlagnahme

Was ist der Unterschied zwischen Sicherstellung und Beschlagnahme?

Die Sicherstellung ist grundsätzlich eine vorläufige behördliche Maßnahme. Die Beschlagnahme ist die gerichtliche Entscheidung über die Begründung oder Fortsetzung einer Sicherstellung.

Darf die Polizei mein Handy mitnehmen?

Unter den gesetzlichen Voraussetzungen kann ein Mobiltelefon als Beweismittel sichergestellt werden. Für Datenträger und Daten gelten zusätzliche gesetzliche Regelungen.

Bekomme ich mein Handy wieder?

Wenn die Voraussetzungen für die weitere Sicherstellung beziehungsweise Beschlagnahme nicht mehr bestehen, muss die Maßnahme aufgehoben werden.

Wie lange darf die Polizei einen Gegenstand behalten?

Die Dauer hängt vom konkreten Verfahren und Zweck der Maßnahme ab. Die Kriminalpolizei muss grundsätzlich binnen 14 Tagen über eine Sicherstellung berichten oder diese aufheben.

Kann ich gegen eine Beschlagnahme vorgehen?

Die von der Sicherstellung betroffene Person kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen eine gerichtliche Entscheidung über die Beschlagnahme beantragen.

Darf die Polizei mein Bargeld mitnehmen?

Unter den gesetzlichen Voraussetzungen kann auch Bargeld sichergestellt werden, etwa zu Beweiszwecken oder zur Sicherung bestimmter vermögensrechtlicher Entscheidungen.

Darf die Polizei meinen Computer mitnehmen?

Unter den gesetzlichen Voraussetzungen kann auch ein Computer oder anderer Datenträger sichergestellt beziehungsweise beschlagnahmt werden. Für digitale Daten bestehen besondere Regeln.

Muss ich mein Handy freiwillig herausgeben?

Wenn eine rechtmäßige Sicherstellung angeordnet beziehungsweise zulässig ist, kann die Maßnahme unter den gesetzlichen Voraussetzungen auch durchgesetzt werden.

Kann ein beschlagnahmtes Handy vor Ende des Strafverfahrens zurückgegeben werden?

Ja. Wenn das Gerät nicht mehr benötigt wird oder der Beweiswert beispielsweise durch eine Kopie ausreichend gesichert wurde, kann eine Aufhebung der Beschlagnahme in Betracht kommen. Das OLG Wien hat dies in einer Entscheidung aus Juli 2026 ausdrücklich unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismäßigkeit behandelt.

Fazit: Polizei nimmt Handy oder Geld mit – was tun?

Wenn die Polizei bei einer Hausdurchsuchung oder im Rahmen anderer Ermittlungen Gegenstände mitnimmt, sollten Betroffene nicht vorschnell davon ausgehen, dass diese Gegenstände automatisch bis zum Ende des Verfahrens beim Staat bleiben.

Die österreichische Strafprozessordnung unterscheidet zwischen Sicherstellung und Beschlagnahme.

Entscheidend sind insbesondere:

  • der Zweck der Maßnahme,
  • die gesetzlichen Voraussetzungen,
  • die Erforderlichkeit,
  • die Verhältnismäßigkeit,
  • und die Frage, ob der Gegenstand weiterhin als Beweismittel benötigt wird.

Gerade bei Mobiltelefonen, Computern und anderen Datenträgern ist eine genaue rechtliche Prüfung besonders wichtig.

Wenn die Polizei Ihr Handy, Ihren Computer, Bargeld oder andere wichtige Gegenstände sichergestellt hat, sollten Sie die Maßnahme möglichst früh von einem Strafverteidiger prüfen lassen.

Strafrecht

Handy, Computer oder Geld sichergestellt?

Rechtsanwalt Mag. Wali Ihsan ist als Strafverteidiger in Wien tätig und vertritt Beschuldigte im Ermittlungsverfahren und im gerichtlichen Strafverfahren.

Nach einer Sicherstellung kann insbesondere geprüft werden,

  • auf welcher Grundlage die Maßnahme erfolgt ist,
  • ob die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen,
  • ob die Beschlagnahme rechtmäßig ist,
  • ob die Maßnahme verhältnismäßig ist,
  • und ob eine Rückgabe beziehungsweise Aufhebung beantragt werden kann.

Rechtsanwalt Mag. Wali Ihsan – Strafverteidiger in Wien

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Die konkrete rechtliche Beurteilung hängt von den Umständen des jeweiligen Einzelfalls ab. Stand: September 2026.